Was sind Legacy Systeme und warum sind sie so wichtig?

Emanuel Böminghaus, Legacy System Experte, Geschäftsführer AvenDATA

Emanuel Böminghaus

Legacy System Experte
Geschäftsführer AvenDATA
Der Begriff Legacy Systeme hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. In vielen Unternehmen existieren Systeme, die zwar technisch veraltet sind, aber weiterhin Daten enthalten, die für die tägliche Arbeit, für Prüfungen oder für die Erfüllung gesetzlicher Aufbewahrungspflichten unverzichtbar bleiben. Legacy Systeme stehen damit an einem kritischen Punkt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie dürfen nicht einfach abgeschaltet werden, verursachen jedoch hohe Kosten und führen zu wachsenden Sicherheitsrisiken. Genau deshalb rückt der professionelle Umgang mit Legacy Systemen immer stärker in den Fokus von IT-Abteilungen, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensleitungen.

Was genau sind Legacy Systeme?

Legacy Systeme sind Anwendungen, Plattformen oder Datenbanken, die im Unternehmen nicht mehr aktiv weiterentwickelt oder produktiv genutzt werden, aber weiterhin existieren, weil sie wichtige historische Daten enthalten. Oft handelt es sich um Systeme, die durch Modernisierungen, Carve-outs oder neue ERP-Plattformen ersetzt wurden. Obwohl sie veraltet sind, erfüllen sie noch eine zentrale Funktion: Sie bewahren die Unternehmenshistorie und sind ein unverzichtbarer Bestandteil der digitalen Dokumentation.

Warum Legacy Systeme in Unternehmen überhaupt entstehen

Legacy Systeme entstehen immer dann, wenn ein neues System eingeführt wird oder organisatorische Änderungen vorgenommen werden. Dabei kann das alte System technisch nicht abgeschaltet werden, weil Daten weiterhin benötigt werden. Mit der Zeit wird das frühere System zu einer isolierten Insel, die nur noch für Prüfzwecke, Auswertungen oder gesetzliche Anforderungen aufbewahrt wird. Genau hier beginnt das Risiko, denn je älter ein System wird, desto größer ist der Aufwand, es am Leben zu erhalten.

Welche Daten Legacy Systeme typischerweise enthalten

Für die langfristige Sicherung und spätere Auskunftsfähigkeit müssen die relevanten Inhalte vollständig, strukturiert und nachvollziehbar erhalten bleiben. Häufig umfassen Legacy Systeme folgende Daten:
  • historische Bewegungsdaten, Belege, Stammdaten, Berichte, Finanzinformationen, Produktionsdaten, Lohn- und Gehaltsinformationen sowie Dokumente, die für steuerliche Prüfungen, interne Analysen oder rechtliche Nachweise benötigt werden
Diese Aufzählung erfolgt bewusst nur einmal, da die Bedeutung dieser Daten in ihrem Zusammenspiel liegt. Legacy Systeme speichern nicht nur Werte, sondern komplexe Beziehungen, die im Archiv vollständig erhalten bleiben müssen.

Warum Legacy Systeme ein erhebliches Risiko darstellen

Legacy Systeme werden häufig unterschätzt, weil sie nicht mehr aktiv genutzt werden. Der größte Risikofaktor entsteht jedoch genau dadurch. Sie laufen im Hintergrund weiter, während Updates ausbleiben, Know-how verloren geht und Sicherheitslücken entstehen. Gleichzeitig verursachen sie Kosten, die über Jahre hinweg erheblich sein können, etwa durch Lizenzen, Hardware, Backups oder spezialisierte Betreuung. Besonders kritisch wird es, wenn Mitarbeiter, die das System noch kannten, das Unternehmen verlassen. Dann kann im Ernstfall niemand mehr Auskünfte geben, obwohl Prüfbehörden genau das verlangen.

Die Bedeutung der Datenintegrität bei Legacy Systemen

Ein Legacy System enthält die unverfälschte Unternehmenshistorie. Diese Informationen müssen langfristig erhalten bleiben, damit Vorgänge vollständig nachvollziehbar bleiben. Besonders wichtig ist, dass die ursprüngliche Sichtbarkeit der Werte, Belege und Zusammenhänge auch später erhalten bleibt. Historische Daten dürfen nicht aus ihrem Kontext gerissen werden. Eine Buchung ist nur dann verständlich, wenn der zugehörige Beleg sichtbar ist. Ein Kundenauftrag ist nur vollständig, wenn alle relevanten Stammdaten und Verknüpfungen angezeigt werden können. Genau diese Nachvollziehbarkeit macht die Archivierung oder Migration von Legacy Systemen so anspruchsvoll.

Warum die Modernisierung oder Archivierung oft der einzig sinnvolle Weg ist

Unternehmen können Legacy Systeme nicht unbegrenzt weiterbetreiben. Veraltete Hardware, inkompatible Betriebssysteme oder fehlende Sicherheitspatches machen den Weiterbetrieb dauerhaft unmöglich. Gleichzeitig dürfen die Daten nicht verloren gehen. Daher entscheiden sich immer mehr Unternehmen für eine kontrollierte Modernisierung oder eine professionelle Archivierung. Bei der Archivierung werden die Daten aus dem Legacy System extrahiert und in einer revisionssicheren Umgebung bereitgestellt, sodass sie auch ohne das ursprüngliche System lesbar bleiben. Dadurch können sowohl Kosten gesenkt als auch gesetzliche Anforderungen erfüllt werden.

Legacy Systeme und die gesetzliche Aufbewahrungspflicht

Die Aufbewahrungspflichten nach Handels- und Steuerrecht gelten unabhängig vom technischen Zustand eines Systems. Ein Unternehmen muss jederzeit in der Lage sein, historische Bewegungen, Belege und Werte vollständig und korrekt nachzuweisen. Ein Legacy System erfüllt diese Pflicht nur dann, wenn die Daten weiterhin abrufbar und verständlich sind. Andernfalls drohen Risiken während Betriebsprüfungen oder im Insolvenzfall, wenn niemand mehr das System bedienen oder die Daten interpretieren kann.

Legacy Systeme sind wertvoll, aber nur mit einem professionellen Umgang

Legacy Systeme enthalten die Geschichte eines Unternehmens und damit Informationen, die Jahre später noch relevant sein können. Gleichzeitig stellen sie ein erhebliches technisches und wirtschaftliches Risiko dar. Die professionelle Archivierung oder Modernisierung eines Legacy Systems ermöglicht es, die Daten langfristig zu sichern, Kosten zu reduzieren und Compliance-Anforderungen jederzeit zu erfüllen. Unternehmen, die dieses Thema frühzeitig angehen, schützen nicht nur ihre digitale Vergangenheit, sondern schaffen auch die Grundlage für eine sichere und moderne Zukunft.
Sie planen ein Altsystem zu archivieren?