Wie gelingt die Systemstilllegung eines SAP-Systems sicher und vollständig?
Emanuel Böminghaus, Legacy System Experte, Geschäftsführer AvenDATA
Emanuel Böminghaus
Legacy System Experte
Geschäftsführer AvenDATA
Geschäftsführer AvenDATA
Die Systemstilllegung eines SAP-Systems gehört zu den anspruchsvollsten IT-Projekten im Lebenszyklus eines Unternehmens. Ein SAP-System ist tief in operative Prozesse, steuerrelevante Datenflüsse und technische Abhängigkeiten eingebettet. Wenn es abgeschaltet werden soll, müssen sämtliche Daten weiterhin gesetzeskonform verfügbar bleiben. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass keine technischen Risiken oder Compliance-Lücken entstehen. Aus diesem Grund ist die Systemstilllegung eines SAP-Systems immer ein strukturiertes und fachlich hochpräzises Unterfangen.
Warum die Systemstilllegung von SAP-Systemen so komplex ist
Ein SAP-System enthält Daten in unterschiedlichsten technischen Strukturen, die sich nicht mit einem einfachen Export erfassen lassen. Für die gesetzlich vorgeschriebene Aufbewahrung müssen die Daten vollständig, korrekt, unverändert und langfristig lesbar sein. Gleichzeitig dürfen nach der Stilllegung weder Zugriffsrechte verletzt noch sicherheitskritische Komponenten weiterlaufen. Unternehmen benötigen daher einen Prozess, der alle relevanten Datenformate berücksichtigt und die spätere Auskunftsfähigkeit gewährleistet.
Welche Daten bei einer SAP-Systemstilllegung zwingend extrahiert werden müssen
In SAP-Systemen liegen Informationen nicht nur in der klassischen relationalen Datenbank, sondern verteilt auf verschiedene Ebenen, Speicherorte und Archivstrukturen. Um die Vollständigkeit der Daten sicherzustellen, müssen bei der Systemstilllegung insbesondere folgende Bereiche fachgerecht behandelt werden:
- ADK-Dateien der SAP-Archivierung
- Tabellen und Inhalte aus der regulären SAP-Datenbank
- GOS-Dokumente, die an Belege oder Prozesse angehängt wurden
- Dokumente und Objekte aus dem SAP-Belegarchiv
- Inhalte aus Clustertabellen, die eine besondere Behandlung und Validierung erfordern
Die Kombination dieser Formate macht deutlich, dass eine SAP-Systemstilllegung ohne tiefes technisches Verständnis kaum möglich ist. Gerade Clustertabellen können erhebliche Probleme verursachen, wenn sie nicht korrekt extrahiert oder interpretiert werden. Ihre Daten liegen nicht wie üblich in klaren Tabellenzeilen vor, sondern in komprimierten Strukturen, die spezielle Verfahren für die Aufbereitung benötigen.
Die Bedeutung der ADK-Dateien bei der Stilllegung
ADKs sind ein zentraler Bestandteil der SAP-Datenhaltung. Viele Unternehmen setzen die SAP-Archivierung über Jahre hinweg ein, ohne sich bewusst zu sein, dass ADKs nicht einfach nur Dateien sind, sondern strukturierte Archive, die für jede spätere Auskunft zwingend benötigt werden. Ohne diese Archive ist es kaum möglich, historische Vorgänge vollständig zu rekonstruieren. Bei der Systemstilllegung müssen ADKs daher zuverlässig extrahiert, validiert und revisionssicher bereitgestellt werden. Ein Verlust oder eine Beschädigung der ADKs kann erhebliche rechtliche Risiken verursachen, da wesentliche Belege oder Bewegungsdaten fehlen können.
Warum die reguläre Datenbank nicht ausreicht
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Stilllegung ausschließlich auf die relationale Datenbank konzentriert. In der Praxis ist dies jedoch nur ein Teil des Gesamtbildes. Zwar enthalten Tabellen wie BKPF, BSEG oder MARA weiterhin große Teile der historischen Vorgänge, doch ohne die zusammengehörigen Archivdaten, GOS-Anhänge oder Belegarchivstrukturen bleibt das System unvollständig. Erst das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Informationsquellen ermöglicht eine vollständige Auskunftsfähigkeit gegenüber Steuerbehörden, Wirtschaftsprüfern oder internen Abteilungen.
Die Rolle der GOS-Dokumente bei der SAP-Systemstilllegung
GOS-Dokumente sind oft der am meisten unterschätzte Teil eines SAP-Systems. Sie werden über die Generische Objektdienste-Funktion direkt an Belege angehängt und enthalten häufig Verträge, Korrespondenzen, PDF-Dateien oder andere relevante Informationsobjekte. Diese Anhänge liegen nicht im regulären Datenbankschema, sondern werden über eigene SAP-Mechanismen verwaltet. Bei der Stilllegung müssen sie vollständig extrahiert und eindeutig den Belegen zugeordnet werden. Fehlende GOS-Dokumente können später zu Lücken in der Dokumentation führen, was insbesondere bei steuerlichen Prüfungen problematisch ist.
Das SAP-Belegarchiv als kritischer Bestandteil der Datenlandschaft
Das SAP-Belegarchiv speichert Dokumente, die nicht in der Datenbank gehalten werden, sondern über das SAP-Archivlink-Verfahren angebunden sind. Rechnungen, Lieferscheine, Bestellungen oder HR-Unterlagen stehen damit physisch außerhalb der regulären SAP-Instanz. Für die Systemstilllegung bedeutet das, dass sowohl die logischen Referenzen als auch die physischen Dateien sauber extrahiert und dauerhaft lesbar gemacht werden müssen. Ohne diesen Schritt bleibt das archivierte System unvollständig.
Besondere Vorsicht bei Clustertabellen
Clustertabellen stellen eine der größten technischen Herausforderungen dar. Sie sind keine klassischen Tabellen, sondern enthalten verdichtete Datenpakete, die SAP intern speichert und beim Lesen wieder entpackt. Eine fehlerhafte Behandlung kann dazu führen, dass Bewegungsdaten beschädigt werden oder sich bestimmte Informationen nicht mehr rekonstruieren lassen. Bei der Stilllegung eines SAP-Systems müssen Clustertabellen daher mit speziellen Extraktionslogiken verarbeitet werden, die sowohl die Integrität der Daten als auch die langfristige Lesbarkeit sicherstellen.
Warum eine strukturierte Systemstilllegung unverzichtbar ist
Eine SAP-Systemstilllegung endet nicht mit der Extraktion der Daten. Am Ende des Prozesses müssen das SAP-System und alle technischen Komponenten vollständig und revisionssicher abgeschaltet werden. Dies umfasst den Rückbau der Server, die Deaktivierung von Schnittstellen, die Entfernung alter Backups und die saubere Dokumentation der Stilllegung. Erst wenn alle Daten extrahiert, alle Archivobjekte gesichert und sämtliche Tabellenstrukturen korrekt verarbeitet wurden, kann das System endgültig außer Betrieb genommen werden.
Die Systemstilllegung eines SAP-Systems erfordert höchste Präzision
Die Stilllegung eines SAP-Systems ist anspruchsvoller als die Stilllegung anderer Anwendungen. Der Grund liegt in der Vielfalt der Datenformate und der engen Verzahnung von Archivobjekten, Datenbanktabellen, GOS-Dokumenten, ADKs und Clustertabellen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass alle relevanten Informationen vollständig, revisionssicher und langfristig lesbar bereitgestellt werden. Nur so lässt sich ein SAP-System sauber abschalten, ohne rechtliche Risiken oder spätere Probleme bei Prüfungen zu verursachen.
Sie planen ein Altsystem zu archivieren?
Recent Blogs
-
Welche Kosten müssen bei der SAP-Systemstilllegung berücksichtigt werden?
-
Sind Altsysteme in virtuellen Maschinen wirklich sicher?
-
Data Lifecycle Management Datenmüll oder Wettbewerbsvorteil?
-
SAP findet keinen Käufer für Business ByDesign, damit wird die Archivierung nur noch eine Frage der Zeit
-
Warum müssen Unternehmen ein Legacy System modernisieren oder archivieren?
-
Warum brauchen Unternehmen SAP Archivierung?
-
Was sind Legacy Systeme und warum sind sie so wichtig?
-
Warum müssen Unternehmen ihre ERP-Daten langfristig archivieren?
-
Warum ist die Systemstilllegung und Archivierung von SAP-Daten unverzichtbar?
-
Wie gelingt die Systemstilllegung eines SAP-Systems sicher und vollständig?